Hochstapler-Syndrom Selbstzweifel loslassen
Negative Gedanken und Emotionen, Stress und Resilienz

Das Hochstapler-Syndrom: Hör auf an dir zu zweifeln

Kennst du schon das Hochstapler-Syndrom? Noch nie gehört? Vielleicht leidest du daran ohne es zu wissen. Pass auf, kommen dir die folgenden Sätze bekannt vor?

„Ich hatte einfach nur Glück. Die finden mich halt einfach nett. Ich hab das aber eigentlich gar nicht verdient. Jemand muss einen Fehler gemacht haben. Bald finden sie heraus, dass ich eigentlich gar nicht qualifiziert bin!

Als ich mich vor ein paar Jahren auf einen Platz fürs Master Studium beworben habe, habe ich hoch gegriffen und mich einfach mal bei richtig guten Universitäten beworben. Versuchen kann man es ja. Was ist passiert? Ich bekam eine E-Mail „Ihr Bewerbungsstatus im Onlineportal wurde geändert:“ Zack, da stand ich war angenommen. Was war wohl mein erster Gedanke? „Ach, das muss ein technischer Fehler im Portal sein. Das kann ja gar nicht sein!“. Ziemlich verrückt, oder? Anstatt mich zu freuen, hab ich als erstes gedacht, dass es ein Fehler gewesen sein muss. Ehrlich gesagt, ich hatte sogar noch diese kleine fiese Stimme im Hinterkopf, als ich am ersten Tag des Semesters im Büro stand um mich zu immatrikulieren. Diese fiese Stimme hat mir eingeredet, dass die nette Dame am Tresen mir gleich erzählt, dass leider alles ein bedauernswerter Fehler gewesen ist. 

Als ich mich nach dem Studium für einen Job beworben habe, hatte ich dann ein Bewerbungsgespräch, bei dem ich sofort im Anschluss, als ich noch auf dem Weg nach Hause war, eine positive E-Mail bekommen habe. Man hätte das Gespräch sehr toll gefunden und möchte mich unbedingt im Team haben. Obwohl ich auch fand, dass ich mich im Gespräch gut geschlagen hatte, breitete sich sofort die kleine Stimme im Kopf aus „Die fanden dich bestimmt einfach nur nett…Der Job ist bestimmt viel zu schwierig für dich!“. In meinen ersten Tagen im Job, sagte mir die Stimme im Kopf oft: „Oh Mist, was ist wenn die jetzt rausfinden, dass ich gar nicht so gut bin, wie die denken? Die finden bald raus, dass ich gerade total oft keine Ahnung habe worüber die reden!“. 

Kommen dir diese Situationen und Gedanken auch bekannt vor? Dann leidest du wahrscheinlich am Hochstapler-Syndrom. Oder auch Impostor-Syndrom aus dem Englischen. 

Was ist nun das Hochstapler-Syndrom?

Beim Hochstapler-Syndrom sind offensichtlich erfolgreiche und qualifizierte Menschen davon überzeugt, dass ihr Erfolg gar nicht echt ist. Sie schreiben ihren Erfolg nur Glück und Zufall zu. Oder, dass andere Menschen ihre Fähigkeiten überschätzt habe. Sie leiden unter der ständigen Angst „aufzufliegen“. Sie befürchten konstant, dass irgendwer irgendwann entdeckt, sie falsch eingeschätzt zu haben und zu entdecken, dass sie gar nicht qualifiziert sind.

An diesem Syndrom leiden hauptsächlich Frauen, aber auch viele Männer sind betroffen. Ganz besonders erfolgreiche Menschen sind davon betroffen. Sie können dann oft nicht glauben, dass sie überhaupt diesen Erfolg haben und glauben eben immer noch, dass es sich dabei um eine Art Fehler handeln muss. Sogar Menschen wie Sheryl Sandberg, Tina Fey und Emma Watson berichten, dass sie, zumindest zeitweise, am Hochstapler- Syndrom leiden. Ja, sogar die wunderbare Meryl Streep.
Sie hat mal gesagt „Warum sollte jemand mich in einem Film sehen wollen? Ich weiß gar nicht wie man schauspielert, warum tu ich das eigentlich?“ Verrückt, oder?

Das Problem beim Hochstapler-Syndrom ist, dass es natürlich für jede Menge Selbstzweifel sorgt und oft auch ein sehr unangenehmes Gefühl hinterlässt, wenn wir für unseren Erfolg belohnt oder gelobt werden. Wir haben ja nicht das Gefühl, dass wir es verdienen. Zusätzlich sorgt es aber auch oft dafür, dass wir uns zurück nehmen. Wir halten uns zurück mit unseren Talenten und Meinungen. Wir haben Probleme Projekte zu starten oder zu Ende zu bringen. Wir leiden an Perfektionismus. Wir versuchen unsere, angeblich, fehlende Qualifikationen mit extremer Vorbereitung auszugleichen. Alles Dinge, die dafür sorgen, dass wir unseren Erfolg sabotieren und nicht noch erfolgreicher werden können. Oder alles Dinge, die unglaublich viel Stress bei uns auslösen können.

Was hilft nun gegen das Hochstapler-Syndrom?

1. Es sind nur deine Gedanken:

Ich predige es ja oft, aber deine Gedanken sind nicht die Wahrheit. Wenn diese fiese Stimme im Kopf auftaucht „Pssst…Bald merken sie, dass du gar nicht so gut bist, wie du denkst…“ dann versuche diese Stimme einfach liebevoll von außen zu betrachten, zu begrüßen, ihr dann aber auch zu sagen, dass sie eben nur Quatsch rede. „Hallo, ist ja nett, dass du da bist. Aber, ganz ehrlich, du hilfst mir gerade wirklich nicht weiter. Sei bitte leise!“. Klingt etwas komisch, aber funktioniert.

2. Vermeide Vergleiche:

Oft vergleichen wir uns mit anderen Menschen, die angeblich erfolgreicher sind als wir. Oder selbstsicherer. Oder tiefere Fachkenntnisse haben. Oder, oder, oder. Das Problem ist nur, dass wir von anderen Menschen immer nur den Erfolg sehen. Ganz besonders in Zeiten von Social Media, sehen wir oft nur die Höhepunkte. Das ist ja auch okay so, aber oft vergessen wir das. Wir sehen nur die erfolgreichen Projekte anderer, nicht aber die vielen gescheiterten Projekte, die es nie an die Öffentlichkeit geschafft haben. Mach dir dies immer wieder bewusst!

3. Andere haben eigentlich auch gar keine Ahnung:

Genau so wie wir die Misserfolge von Anderen nicht mitbekommen, können wir ja auch nicht in die Köpfe anderer gucken. Aber oft haben andere Menschen viel weniger Ahnung als wir denken. Wenn wir am Hochstapler-Syndrom leiden, konzentrieren wir uns oft nur auf die eigenen Fehler. Aber ist dir noch nie aufgefallen, dass viele andere Menschen auch gar nicht alles wissen? Wie oft hast du in einem Meeting schon „Ich nehme das Thema mal mit“ (Code für: „Ich hab keine Ahnung und muss erst nachgucken/jemand anderen Fragen“) gehört? Mein Schlüsselereignis für diese Erkenntnis war, als ich mit einer, sehr viel erfahreneren, Kollegin beim Kunden saß und der Kunde die ganze Zeit mit einem Begriff um sich geworfen hat, den ich nicht kannte. Ich hab mich aber auch nicht getraut im Meeting nachzufragen. Ich fragte also hinterher meine Kollegin. Sie lachte „Ich hab auch keine Ahnung. Ich wollte das gleich mal googlen!“. Siehst du? Auch erfahrene Menschen können nicht alles wissen. Hab ich sie dafür als weniger kompetent gehalten? Kein bisschen. Aber ich hab etwas Druck von mir selber genommen.

4. Unterschätze den „Nett-sein“ – Faktor nicht

Gerade Frauen haben oft das Gefühl, dass sie nur Erfolg haben oder einen Job bekommen haben, weil sie eben nett sind. Weil sie für sympathisch befunden wurden. Aber, was ich mich immer frage, selbst wenn das so wäre, ist das so schlimm? Ist der „nett-Faktor“ nicht sogar wirklich wichtiger als irgendwelche fachlichen Qualifikationen? Denn, wenn man mal darüber nachdenkt, die meisten fachlichen Kenntnisse kann man noch lernen. Nett sein, oder sympathisch, vom Charakter in ein Unternehmen passen, ist doch viel schwieriger, oder? Es gibt sehr viele Studien, die zeigen, dass für den späteren Erfolg im Unternehmen, tatsächlich die passenden Charaktereigenschaften viel wichtiger sind als fachliche Qualifikationen. Mach also die Tatsache, dass du eben nett und sympathisch bist nicht so runter! Denn auch das ist, wenn man sich mal überlegt, wie viele Griesgräme es da draußen in der Welt so gibt, auch eine positive Fähigkeit.

5. Feier deine Erfolge:

Wer bin ich schon? Was hab ich denn im Leben schon geschafft? Hochstapler-Syndrom sorgt dafür, dass wir alles, was wir bereits erreicht haben runter spielen. Wir trauen uns nicht besonders viel zu. Aber stop, steh zu deinen Erfolgen und feiere sie auch! Lege dir beispielsweise ein Erfolgstagebuch zu, in dem du regelmäßig reinschreibst, was du alles kannst und geschafft hast. Wann immer das Hochstapler-Syndrom zuschlägt, nimm es dir zur Hand und erinnere dich daran, was du alles schon erreicht hast.





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