„Ich kann ja eh nichts dran ändern!“ – Deine Erklärungen für Misserfolg bestimmen dein Wohlergehen

Egal was uns in unserem Leben passiert, wir Menschen brauchen immer einen Erklärung. Das scheint in unserer menschlichen Natur zu liegen. Uns geht es einfach besser, wenn wir eine passende Erklärung für ein Ereignis oder eine Situation haben. Ganz besonders wenn uns etwas negatives passiert finden wir oft unbewusst ganz schnell eine Erklärung. Du bekommst eine schlechte Note in einer Klausur zurück – War ja klar, die Klausur war auch echt unfair! Da hätte ich eh nichts dran ändern können!

In der Psychologie nennt man dieses Zuschreiben von Erklärungen zu einem bestimmte Ereignis eine Attribution. 
Zu einer Attribution gehören mehrere Dimensionen die zusammengefasst unseren Attributionsstil beschreiben.

Verantwortlichkeit: 
Internal: die Ursache liegt bei mir
External: die Ursache liegt in den äußeren Umständen

Stabilität:
Stabil: die Ursache bleibt über Zeit hinweg gleich
Instabil: die Ursache verändert sich mit der Zeit

Globalität:
Spezifisch: die Ursache wirkt sich nur auf diese eine Situation aus
Global: Die Ursache wirkt sich noch auf weitere Situation aus

Nehmen wir nochmal das Beispiel der schlechten Noten in einer Klausur.  

Auf der ersten Dimension können wir die schlechte Note entweder internen oder externen Ursachen zuordnen. Wenn wir sie internen zuordnen, könnte die schlechte Note daran gelegen haben, dass wir uns nicht besonders gut auf die Klausur vorbereitet haben. Wenn wir sie externen Ursachen zuordnen, dann könnten es daran liegen, dass der Professor eben auch eine wirklich fiese Klausur gestellt hat. Du konntest echt gar nichts dafür!

Auch auf der zweiten Dimensionen können wir die Ursachen für unsere schlechte Note einsortieren. Wenn wir etwas als stabil beschreiben, dann weisen wir etwas einer Erklärung zu, die sich wahrscheinlich so schnell nicht ändern wird. In diesem Fall könnte deine Erklärung beispielsweise sein, dass du eben einfach sehr schlecht in Mathe bist. Das ist einfach so und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern. 
Eine Erklärung die als instabil bezeichnet wird, wäre beispielsweise die Erklärung, dass es dir an dem Tag der Klausur einfach gar nicht gut ging. Du hattest so einen fiesen Schnupfen, dass du dich gar nicht konzentrieren konntest. Das ist instabil, denn dein Schnupfen ist wahrscheinlich bald verschwunden und es ist unwahrscheinlich, dass das es bei der nächsten Klausur nochmal passieren wird. Als instabil meinen wir also in diesem Fall Ursachen die einmalig aufgetreten sind. 

Auf der dritten Dimension, können wir die schlechte Noten spezifischen Ursachen oder globalen Ursachen zuordnen. Bin ich einfach nur schlecht in Mathe (spezifisch) oder bin ich direkt in meinem ganzen Studium schlecht (global) und sollte mir dementsprechend überlegen, ob ich nicht gleich mein ganzes Studium schmeiße?

Meisten folgen wir einem bestimmten Muster und nehmen immer wieder, egal um welchen Misserfolg es sich handelt, den gleichen Attributionsstil an. 

Grundsätzlich nehmen optimistische und positivere Menschen einen Attributionsstil an, der eher externe Ursachen für einen Misserfolg sucht. Damit gehen sie davon aus, dass sie nicht grundsätzlich Schuld sind, sondern eben widrige Umstände. Generell ist ihr Attributionsstil eher extern, instabil und spezifisch. Der Misserfolg lag nicht an ihnen, wird nicht so schnell wieder vorkommen und bezog sich nur auf diese eine Situation.

Selbst wenn sie mal eine Klausur in den Sand setzen, ohne dass sie davon ausgehen, dass der Professor einfach unfair war, gehen sie in dem Fall eher davon aus, dass es bei ihnen vielleicht ein kurzer Anfall von Faulheit war und bei der nächsten Klausur nicht wieder vorkommt. Sie gehen also nicht davon aus, dass sie grundsätzlich kein Mathe können. Bei der nächsten Klausur wird es dann wieder besser. In dem Fall wäre der Stil also intern und instabil.

Negative, meistens auch eher unglücklichere, Menschen nehmen eher den umgekehrten Attributionsstil an. Intern, stabil und global. Sie gehen eher davon aus, dass sie an ihren Misserfolgen selber Schuld sind und dass die Gründe für ihre Misserfolge sich auch nicht ändern werden. Eine schlechte Note in einer Matheklausur liegt bei ihnen daran, dass sie Mathe eben einfach nicht können. Nicht nur das, sondern sie sind gleich unfähig ihr gesamtes Studium zu Ende zu bringen. 

Das Problem bei so einem negativen Attributionsstil ist, dass hier dann die Selbsterfüllende Prophezeiung ins Spiel kommt. Die Selbsterfüllende Prophezeiung ist eine Vorhersage, die sich allein dadurch selbst erfüllt, weil jemand an sie glaubt. In diesem Fall hat jemand eine negative Einstellung gegenüber seinen eigenen Mathefähigkeiten und geht dadurch auch entmutigt in die Klausur oder lernt gar nicht erst richtig, denn „Ich kann das eh nicht!“. Wird das zu einer erfolgreichen Matheklausur führen? Wahrscheinlich eher nicht. Das bedeutet also, dass der Glaube des negativen Menschen auch noch bestärkt wird. Ein Teufelskreis also.

Was du dagegen tun kannst:

Attributionsstile sind wahnsinnig schwierig zu ändern. Es hilft schon zu wissen, dass es sie gibt. Denn das kann helfen sie besser wahrzunehmen und gegen die negativen Gedanken vorzugehen. 

Generell kann es helfen, sich damit auseinander zu setzen, wie man sich aus der Opferrolle befreien kann. Denn genau diese „Ich kann eh nichts dran ändern“- Haltung zeichnet Menschen mit einem negativen Attributionsstil aus. Hier findest du einen Artikel, in dem ich darüber geschrieben habe, wie man aus der Opferrolle wieder herauskommt. 

Ein weiterer Punkt, der helfen kann, ist es sich negativen Gedanken bewusst zu werden und gegen quälende Gedanken vorzugehen. Hier habe ich bereits darüber geschrieben.

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