Im Artikel letzte Woche habe ich ja schon beschrieben, warum einige Menschen mit Stress und negativen Erlebnissen besser umgehen können als andere. Sie tragen den schützenden Faktor der Resilienz in sich. Es gibt aber nun auch Menschen, die nicht nur besonders geschützt vor negativen Erlebnissen sind, sondern die sogar an negativen oder traumatischen Erlebnissen wachsen.

Wenn wir Menschen ein Trauma erleben, wir verlieren einen geliebten Menschen, haben einen schweren Unfall, werden überfallen oder verlieren von einem Tag auf den anderen unseren Job, dann kann das oft zu einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen. Diese tritt beispielsweise oft bei Soldaten auf, die aus einem Kriegsgebiet zurück kommen. Die Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung sind oft das Wiedererleben der belastenden Situation, man bekommt Flashbacks und Angstsymptome. Andersrum kann es aber auch passieren, dass man emotional abstumpft. Man empfindet nur noch wenige oder gar keine positiven Emotionen mehr, nichts macht einem Spaß und Dinge, die einem vorher wichtig waren, werden einem gleichgültig.

Eine Posttraumatische Belastungsstörung ist eine Reaktion auf ein belastendes, traumatisches Erlebnis. Nun gibt es aber auch Menschen, die ein sehr schweres Trauma leichter überstehen als andere Menschen und die sogar an diesen Erlebnissen wachsen. Dies nennt sich dann der Posttraumatische Wachstum. Frei nach dem Motto „What does not kill me makes me stronger!“.

Einige Menschen schaffen es aus ihren schlimmen Erlebnissen auch etwas Positives zu ziehen. Beispielsweise könnte jemand, der seinen Partner verloren hat, nun gezwungen sein, all die Dinge in der Beziehung die immer der Partner übernommen hat, beispielsweise handwerkliche Arbeiten, zu lernen und könnte an diesen Aufgaben wachsen.

Einige Menschen berichten nach einem Trauma von einem stärkeren Selbstbewusstsein und Durchhaltevermögen, dass sie dadurch entwickelt haben. Ebenso verbesserte Freundschaften und Beziehungen. Durch ihre Erlebnisse haben sich ihre wahren Freunde herausgestellt und bestehende Freundschaften zusammengeschweißt. Viele berichten auch von einer erneuten Dankbarkeit für das Leben.*

Es bedeutet natürlich nicht, dass die Menschen die Posttraumatisches Wachstum erleben, nicht an den negativen Erlebnissen leiden. Im Gegenteil, natürlich führen diese Erlebnisse auch zu negativen Emotionen, Schmerzen und Leid. Es kann sogar sein, dass diese Menschen erst eine Belastungsstörung entwickelten. Aber es ist möglich ein Trauma nicht nur einfach zu überwinden und wieder zu seiner ursprünglichen Form zurück zu kommen, sondern auch an ihnen zu wachsen und aufzublühen, sodass sie gestärkt aus diesen Erlebnissen herausgehen. Was sie nicht umbringt, macht sie stärker.

2 Faktoren sind besonders wichtig für das Posttraumatische Wachstum:

1. Soziale Unterstützung:

Deine Familie, deine Freunde, dein Partner. Sehr wenig im Leben ist so unglaublich wichtig, wie unsere Beziehungen. Unsere Beziehungen (wenn sie denn gut sind) sorgen dafür, dass wir weniger ängstlich und depressiv sind. Es hat sich auch gezeigt, dass ein Trauma auch einen Einfluss auf unsere physische Gesundheit nehmen können. Beispielsweise, Frauen die ihren Partner verloren hatten, zeigten auch physische Symptome. Wenn sie sich jedoch ihren Freunden zuwandten und dort Unterstützung holten, waren diese Symptome deutlich reduziert.**
Eine weitere Studie hat sich mit Frauen beschäftigt, die mit Krebs diagnostiziert wurden. Wenn diese Frauen sich ebenfalls ihren Freunden und Familien zuwandten, zeigten sie deutlich erhöhte Killerzellen, die den Krebs angriffen.***

2. Bedeutung finden

Wenn Dinge plötzlich und ohne scheinbaren Grund stattfinden, ist es für viele Menschen schwierig sich diese Erlebnisse zu erklären. Besonders für Menschen, die nicht religiös sind. Der Tod eines geliebten Menschen, durch einen Verkehrsunfall beispielsweise. Viele Menschen fragen sich dann nach dem Warum. Warum ausgerechnet diese Person?
Es hat sich gezeigt, dass es einfacher ist mit dem Verlust einer geliebten Person umzugehen, wenn man in dem Tod Bedeutung findet. Indem man selber dadurch etwas über das Leben lernt, vielleicht eine größere Dankbarkeit für das Leben empfindet, anderen Menschen in ihrem Leid hilft oder auch indem man den Tod vielleicht auch als Signal sieht „Sie hätte gewollt, dass….“. Menschen, die es schaffen Bedeutung während eines Traumas zu finden, zeigen deutlich weniger Stress Symptome.

Quelle:
*Posttraumatic growth: Conceptual foundations and empirical evidence“. Psychological Inquiry, 15,1-18.
** Pennebaker J.W. and O’Heeron, R.C. (1984), ‚Confiding in others and illness rate among spouses of suicide and accidental-death victims‘, Journal of Abnormal Psychology, 93, 473-476.
*** Levy, S.M., Herberman R.B., Whiteside, T., Sanzo, K., Lee, K., and Kirkwood, K. (1990), ‚Perceived social support and tumor estrogen/progesterone receptor status as predictor of natural killer cell activity in breast cancer patients‘, Psychosomatic Medicine, 52, 78-85.