Hast du dich schon mal gefragt, warum manche Menschen starken Stress einfach von sich abprallen lassen können? Warum manche Menschen bestimmte Lebensereignisse einfach so, so scheint es zumindest, wegstecken können, während du dich selber von den einfachsten Dingen stressen lässt?

Ich finde es auf jeden Fall faszinierend, zum einen wie leicht sich manche Menschen stressen lassen und wie andererseits andere Menschen jegliche Art von Stress locker wegstecken können.

Das liegt an der jeweiligen Resilienz der Menschen. Resilienz beschreibt unsere psychische Widerstandskraft. Wie gut wir mit negativen Lebensumstände umgehen können und wie schnell wir uns wieder von ihnen erholen. Wie dick unsere Haut ist, die uns vor psychischem Stress schützt.

Ich stelle mir Resilienz immer als unsere „Biegsamkeit“ vor. Wenn wir wenig Resilienz haben, dann brechen wir unter Stress, wie ein morscher Ast. Aber wenn wir resilient sind, dann sind wir biegsamer. Wenn Stress auf uns einschlägt, dann verbiegen wir zwar erst, aber wir erholen uns schnell wieder von der stressigen Situation und biegen uns wieder zurück in unsere Ursprungsform.

Resilienz bedeutet also nicht, dass wir gar nicht mehr anfällig sind für negative Lebensereignisse. Leichter Stress setzt uns vielleicht nicht mehr zu, aber natürlich werden Schicksalsschläge noch einen negativen Einfluss auf unser Leben haben. Wir können nicht gegen alles resistent sein, aber wir erholen uns schneller wieder von Schicksalsschlägen als andere Menschen die weniger resilient sind. Resilienz kann sogar vor einer posttraumatischen Belastungsstörung schützen wenn wir traumatische Erlebnisse hatten. Und auch gegen Depressionen kann Resilienz schützen bzw. die Symptome reduzieren.

Für ein entspanntes und glückliches Leben sollten wir also entweder jegliche Art von Stress und Schicksalsschläge vermeiden oder viel Resilienz haben die uns davor schützt. Ersteres ist wohl eher nicht so einfach umzusetzen, aber unsere Resilienz können wir erhöhen.

Das tolle an Resilienz ist nämlich, dass es keine fest Eigenschaft ist, so wie beispielsweise unsere Charaktereigenschaften, denn Resilienz kann man lernen. Durch gezieltes Training können wir unsere Resilienz stärken.

Wie kann man denn nun seine eigene Resilienz erhöhen?

Lass mich dir zuerst sagen, dass Resilienz sich nicht von heute auf Morgen verstärkt. Wie bei den meisten Dingen, die wir lernen oder verbessern wollen, brauchen wir regelmäßig Übung. Ein Meiste ist noch nie von heute auf Morgen vom Himmel gefallen.

1. Dankbarkeit und Positive Emotionen

Lachen ist die beste Medizin. Ein klischeehafter Spruch, an dem aber viel dran ist. Positive Emotionen schützen uns vor den negativen Emotionen. Bestimmt kennst du das, wenn es dir schlecht geht und ein Freund oder eine Freundin versucht dich zum Lachen zu bringen. In dem Moment wo du über deine Freundin lachen musst, geht es dir sofort besser. Positive Emotionen helfen immer.
Versuche also deine positiven Emotionen zu erhöhen. Dies kannst du am einfachsten durch Dankbarkeits-Übungen tun. Das heißt, du könntest beispielsweise ein Dankbarkeitstagebuch führen. Oder jeden Abend deiner Familie erzählen, wofür du an diesem Tag dankbar bist. Wenn du mehr über Dankbarkeit erfahren möchtest, dann lies doch mal hier.
Wenn es dir wirklich nicht gut geht, dann könntest du dir auch einfach einen witzigen Film angucken. Oder wenn du beispielsweise gerade extrem gestresst bist, dann könntest du kurz ein witziges YouTube Video angucken und schwups geht es dir besser.

2. Meditation

Meditation empfehle ich wirklich in jedem meiner Blogeinträge. Wenn du direkt mehr wissen möchtest, dann lies nochmal hier. Gerade wenn wir eine sehr stressige Phase, beispielsweise im Job, haben, ist es wichtig uns Momente für uns zu nehmen in denen wir zur Ruhe kommen. Denn wenn wir Tagsüber konstant unter Stress stehen und dann Abends nicht ordentlich abschalten können, weil uns eventuell der nächste Tag schon wieder bevorsteht, dann kann dieser Stress wirklich gefährlich werden. Wenn wir nie einen Moment finden um mal wirklich zur Ruhe zu kommen, dann kann dieser Stress chronisch werden und dies kann wirklich gefährliche gesundheitliche Folgen haben.

3. Optimismus

Über Optimismus werde ich nochmal einen gesonderten Artikel schreiben, denn über Optimismus gibt es wahnsinnig viel zu sagen. Optimismus bezeichnet einen lebensbejahende Einstellung. Dies kann ein übergreifender Glaube sein, dass irgendwie alles gut wird. Es kann sich aber auch in den kleineren Dingen äußern. Beispielsweise der Glaube, dass das Meeting am nächsten Tag super verlaufen wird. Oder es äußert sich in den ganz kleinen Dingen. Nämlich, dass ein beschissener Tag schon auch irgendwie vorbeigeht. Optimismus schützt vor Depressionen und Angstsymptomen, sogar vor Herzkreislauferkrankungen. Optimismus ist etwas, was man einfach täglich üben muss. Jedes Mal, wenn du dich bei Gedanken erwischt „Oh, das wird sowieso nicht klappen!“, dann versuche aktiv dagegen anzugehen. Versuche dich von diesem Gedanken zu distanzieren und sag dir selber; lieber Kopf, liefere mir doch erstmal Beweise warum etwas nicht klappen sollte, solange nehme ich erstmal an, dass alles klappen kann.

4. Selbstwirksamkeitserwartung

Langes und kompliziertes Wort. Die Selbstwirksamkeitserwartung beschreibt unsere Erwartung durch unsere Kompetenzen eine bestimmte Handlung selber ausführen zu können und dass diese Handlung eine bestimmte Konsequenz mit sich bringt. Das bedeutet also, Menschen die eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung haben, glauben dass sie selber etwas bewirken können und auch in schwierigen Situationen durch ihre Handlungen gezielt Einfluss auf die Situation nehmen können. Vereinfacht gesagt, sie geben sich nicht den Umständen hin und nehmen keine Opferhaltung ein. „Ich kann ja sowieso nichts an den Umständen ändern“ – so etwas würde jemand mit starker Selbstwirksamkeitserwartung nicht sagen. Die Selbstwirksamkeitserwartung kannst du beispielsweise stärken indem du beispielsweise in die Vergangenheit schaust und überlegst, wann in der Vergangenheit du eine ähnliche Situation bewältigt hast. Wie bist du in der Situation vorgegangen? Lässt dich vielleicht etwas aus der vergangen Situation auf deine aktuelle Situation übertragen? Was wäre eine Kleinigkeit, die du umsetzen könntest, um deine jetzige Situation zu verbessern?

5. Soziales Netzwerk

Auch das soziale Netzwerk habe ich in mehreren Artikeln nun schon erwähnt. Soziale Kontakte sind unglaublich wichtig. Unsere Freunde, Familie und Kollegen können uns in schwierigen Situation unterstützen. Es ist also wichtig auch um Hilfe zu fragen. Die Hilfe kann natürlich sehr unterschiedlich aussehen. Beispielsweise könnte es konkrete Hilfe sein, im Sinne von Essen vorbeibringen, wenn es dir schlecht geht, beim Umzug helfen wenn du dich von deinem Partner getrennt hast, oder Geld leihen wenn du finanzielle Probleme hast. Aber ebenso wichtig ist natürlich die emotionale Unterstützung. Bei manchen Problemen können auch deine Freunde nicht konkret etwas tun, aber es hilft einfach jemanden zum Zuhören zu haben und vielleicht auch eine andere Sicht der Dinge auf dein Problem zu bekommen.

6. Bewegung

Sport als Förderer für mentale Stärke wird noch immer unterschätzt. Sport soll, laut manchen Studien, sogar so wirksam gegen psychische Erkrankungen sein wie Psychotherapie. Dabei sollen Ausdauersportarten, wie beispielsweise Joggen oder lange Radtouren, besonders wirksam sein. Denn wenn wir unter Stress stehen, dann fällt dieser nach einer Runde Sport oft ab und wir kommen endlich zur Ruhe. Dazu kommt natürlich dann noch das gute Gefühl, dass Sport bei uns auslöst und der Stolz überhaupt Sport gemacht zu haben. Wenn wir dadurch dann eventuell auch noch abnehmen oder unsere Körperform verbessern, kommt auch ein gutes Körpergefühl dazu. Wenn du kannst, dann mach am besten Sport an der frischen Luft, denn auch die Natur hat einen wunderbaren, heilenden Einfluss auf uns. Wusstest du beispielsweise, dass Menschen die im Krankenhaus ein Fenster mit Blick auf Wald oder Wiesen haben, im Schnitt schneller gesund werden als Menschen die auf ein Gebäude oder Parkplatz schauen?