warum serien binging dich nicht glücklich macht

Wer mir auf Instagram folgt hat vielleicht mitbekommen, dass ich meine Online-Streaming Dienste vor einer Weile alle gekündigt habe. Einen Fernseher habe ich sowieso nicht.

Bevor ich alle meine Mitgliedschaften gekündigt habe, war ich ein ziemlicher Serien-Junkie. Fand ich eine Serie gut, hatte ich diese meist in kürzester Zeit durchgeguckt. Der Laoptop stand überall dabei, wenn ich Zuhause war und die Serie lief. Beim Kochen, beim Aufräumen, beim Wäsche zusammenlegen. Beim Essen, beim Schminken. Wenn ich Abends nach Hause kam, wurde als erstes die Serie wieder angemacht. Wenn ich Morgens alleine war, wurde auch die Serie gespielt, während ich mich für den Arbeitstag fertig machte. Der Laptop wurde einfach immer von Raum zu Raum weiter mitbekommen. Vom Schlafzimmer, zur Küche, bis ins Badezimmer.

Und das ging durchaus einige Jahre so. Wärend des Studiums habe ich damit angefangen und konnte irgendwie nicht so richtig aufhören. Ich hab zwar einige richtige gute Serien geguckt. Aber ich merkte auch, wie beispielsweise mein Lesepensum super niedrig war. Und das obwohl ich seit ich lesen kann der größte Bücherwurm überhaupt war. Aber irgendwie war es einfacher nach einem anstrengend Arbeitstag die Serie anzumachen.
Auch hatte ich das Gefühl, dass ich nicht mehr so richtig im Moment war. Klar, Wäsche zusammenlegen ist nicht super spannend. Achtsamkeit ist etwas, was ich mehr in meinen Alltag einfließen lassen möchte, auch beim Wäsche zusammenlegen möchte ich mehr im Moment sein. Das funktioniert aber nicht, wenn nebenbei immer eine Serie läuft.

Ich beschloss also meiner Sucht mit einem radikalen Einschitt entgegen zu wirken. Kalter Entzug sozusagen. Einfach nur meinen Serienkonsun zu reduzieren hätte wohl nicht funktioniert, das hab ich bereits zu oft versucht. Es wurde also alles gekündigt und ich hab im Moment eigentlich keine Möglichkeit mehr Serien zu gucken. Ich schaue nur noch Programme aus Mediatheken. Der Sonntägliche Tatort muss dann halt doch sein.

Und was soll ich sagen? Es geht mir sehr viel besser dabei. Ich lese mehr. Ich bin entspannter. Ich fühle mich, wenn ich den Abend vor einem Buch statt vor einer Serie verbracht habe, sehr viel entspannter. Ich kann besser einschlafen, weil ich nicht bis kurz vor dem Schlafen gehen mir das blaue Licht des Laptops reingezogen habe.

Übrigens, gibt es zu diesem Thema auch Studien*. Diese Art von Faulenzen, macht uns nämlich eigentlich weniger SPaß als wir denken. Es ist einfach, den Abend vor einer Serie zuverbringen oder sinnlos den Abend durch Facebook und Instagram zu scrollen. Aber diese Art von Inaktivität macht uns ungefähr 30 Minuten Spaß. Danach entzieht sie uns Energie und wir fühlen uns irgendwie so matschig und unbefriedigt. Das nennt sich Psychische Entropie.
Tatsächlich macht uns eine aktive Art der Freizeitgestaltung viel glücklicher. Also beispielsweise Sport machen, raus gehen und Freunde treffen, Wandern gehen, Lesen oder neue Dinge lernen.

Es spricht natürlich nichts dagen einen guten Film zu gucken oder auch mal länger eine gute Serie. Doof wird es nur, wenn wir es zu lange machen. Und ganz ehrlich, wer kennt denn diese Gefühl nicht, dass man sich an einem Wochenende so viel vorgenommen hatte und am Ende dann doch nichts macht, sondern vielleicht sogar nur vor der Glotze hängt?

Diese Trägheit ist wirklich schwierig zu überwinden. Eine aktive Freizeitgestaltung braucht nämlich mehr Aktivierungsenergie. Wir müssen uns erstmal dazu aufraffen. Tatsächlich fällt es vielen Menschen schwerer ihre Freizeit zu genießen, als ihre Arbeitszeit.*

Um diese Aktivationsenergie aufzubringen und meine eigene Trägheit zu überwinden, habe ich also einfach alle meine Konten gekündigt. Ganz schön radikal vielleicht. Aber für mich erstmal die beste Idee damit umzugehen.

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Quellen:
*Csikzentmihalyi, M. (1997). Finding Flow: The Psychology of Engagenment in Everyday Life. New York: Basic Books.