Wie unsere Gedanken unsere Emotionen beeinflussen

For there is nothing either good or bad, but thinking makes it so.- William Shakespeare

In diesem Post habe ich darüber geschrieben, wie wichtig Gedanken generell sind. Ich meine, unsere Gedanken sind so wichtig, sie können sogar unser Gewicht beeinflussen!

Allerdings gibt es einen Bereich für den unsere Gedanken ganz besonders wichtig sind.

Emotionen!

Unsere Gedanken sind wahnsinnig wichtig für die Beeinflussung unserer Emotionen. Warum ist das so?

Lasst uns erstmal kurz schauen, wie Emotionen eigentlich entstehen.

Nehmen wir zum Beispiel die Angst. Man würde denken es funktioniert ungefähr so: Du siehst wie ein Löwe auf dich zukommt und dann denkst du „Oh, ein Löwe. Der ist gefährlich, ich bin in Gefahr!“
(Im ersten Post hast du ja schon gelernt, dass wir nicht in ganzen Sätzen denken, sondern in Konzepten. Aber der Einfachheit halber einfach mal so.)
Nach diesen Gedanken bekommst du dann Angst, dein Herz fängt an zu schlagen und dein Körper geht in den „Fight oder Flight“ Modus. Vor Gefahren flieht man entweder oder man bekämpft sie. Egal was man macht, der Körper bereitet sich darauf vor in dem er ganz viel Adrenalin ausschüttet.

Kurz also:

Stimulus (Löwe) – Gedanke (Ich bin in Gefahr!) – Emotion (Angst) – körperliche Reaktion (schlagendes Herz).

So klingt es logisch. Aber eigentlich funktioniert es nicht so. In der Psychologie denkt man inzwischen, dass die Reihenfolge anders ist. Nach der sogenannten Zwei-Faktoren-Theory von Stanley Schachter, geht die Reihenfolge so:

Du siehst den Löwen und dein Herz fängt stark zu schlagen. Dann denkst du „Oh, interessant. Mein Herz schlägt gerade super schnell. Ich denke, meine Körper bereitet sich gerade auf den fight or flight Modus vor. Das bedeutet wohl, dass der Löwe gefährlich ist. Ich hab dann jetzt mal Angst!“.

In dem Fall ist die Reihenfolge anders: Stimulus (Löwe) – Körperliche Reaktion (Herzklopfen) – Gedanke (Oh, es scheint so, als würde sich mein Körper gerade auf eine Gefahrensituation vorbereiten) – Emotion (Angst!).

Das bedeutet also, dass wir unsere Emotionen aus der Interpretation unserer körperlichen Reaktion ableiten. Unsere Gedanken beeinflussen also unsere Emotionen.

Wenn man nämlich mal genauer drüber nachdenkt: Klar, Herzklopfen, wackelige Knie und schwitzende Hände sind sicherlich ein Zeichen von Angst. Aber wann bekommt man diese Symptome zum Beispiel noch? Richtig, wenn man verliebt ist zum Beispiel.

Oft sind unsere körperlichen Reaktionen für viele Emotionen ähnlich, aber was wir dann in dem Moment wirklich fühlen hängt von unserer Interpretation ab.

Es gibt zum Beispiel eine spannende Studie*, in der eine hübsche junge Frau auf einer wackeligen Hängebrücke über einem tiefen Abgrund junge Männer anspricht. Sie lässt Sie einen Persönlichkeitstest machen und gibt ihnen für eventuelle Rückfragen ihre Telefonnummer.

Das gleiche wiederholt sie, nur auf einer sicheren Brücke ohne hohen Abgrund.

Aus welcher der zwei Gruppen haben sich wohl mehr Männer bei ihr gemeldet? Richtig. Die Männer, die sie auf der wackeligen Hängebrücke getroffen hat. Durch die Höhe der Hängebrücke hatten viele der Männer Herzklopfen. Die jungen Männer haben ihr Herzklopfen ausgelöst durch die Hängebrücke mit Herzklopfen für diese junge Frau verwechselt und waren der Meinung, dass sie vielleicht schon etwas in sie verliebt waren oder sie zumindest anziehend fanden. Schließlich hatte ihr Herz ja so geklopft.
(Übrigens, Beziehungstipp: Macht zusammen Dinge die Eurer Herz zum Schlagen bringen. Beispielsweise Skydiven. Ihr fühlt Euch nachher enger miteinander verbunden, denn auch hier greift der Effekt wie auf der Hängebrücke.)

Ihr seht also, unsere Emotionen sind zu einem Großteil der Interpretation unserer körperlichen Symptome geschuldet.

Was wäre also, wenn wir einfach anfangen unsere körperlichen Symptome umzudeuten?

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Quellen:
*“. G. Dutton, A. P. Aron (1974). Some evidence for heightened sexual attraction under conditions of high anxiety. Journal of Personality and Social Psychology, 30, S. 510–517